Bollinger-Bänder

Die Bollinger-Bänder sind eine Weiterentwicklung, der gleitenden Durchschnitte und zählen wohl zu den meist genutzten Indikatoren in der der Börsenwelt.

In unseren täglichen Gesprächen, stellt sich allerdings oft heraus, dass die Funktionsweise und den daraus resultierenden Anwendungsmöglichkeiten, den meisten Anwendern nicht wirklich geläufig ist, daher wollen wir in diesem Bericht dem Indikator ein wenig auf den Zahn fühlen.

 

Erfunden wurden die Bollinger-Bänder von John Bollinger in den 1980ern, nachdem der Computer seinen Siegeszug im Börsenhandel angetreten hat.

Zunächst gab es die Prozent- bzw. Tradingbänder auch Envelopes gennant (engl. Hülle, ab ca 1960). Die Grundidee dahinter war mehrere Eigenschaften in einem Indikator zu vereinen. So sollte der Indikator dem Kurstrend folgen, sinnvolle Unterstützungen bzw. Widerstände anzeigen und gleichzeitig unbedeutende Schwankungen im Kurs filtern. Die Basis bildet ein gleitender Durchschnitt, der die Mittellinie bildet und zusätzlich wird durch Parallelverschiebung dieser Mittellinie nach oben und nach unten um einen bestimmten Prozentsatz eine Hülle um die Mittellinie gebildet. Alle Linien folgen dabei dem Kurs, wobei man durch die obere und untere Linie schnell erkennen kann, wann sich der Kurs zu weit vom  seinem gleitenden Durchschnitt distanziert hat.

 

Üblich für solche Bänder ist ein antizyklischer Handelsansatz – Wenn der Kurs am oberen Band angekommen ist- geht man Short und wenn er unten angekommen ist eher Long. Man kann natürlich auch den Durchbruch aus dem Band handeln, und so frühzeitig an einem Trendwechsel partizipieren. Es gilt Vorsichtig zu sein und sich nicht durch Falsebreakouts auf s Glatteis führen zu lassen. (Schlusskurs sollte abgewartet werden)

John Bollinger verfeinerte diese Technik in den 80ern, er hat das starre Konstrukt einer festen Prozentangabe durch die Standardabweichung ersetzt.

 

Standardabweichung

Wie der Begriff bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um die Erfassung der Abweichung zum Durchschnitt. (Gaußsche Verteilungsglocke)

Hierzu ein kurzes Beispiel

50.000 Menschen gehen ins Fußballstadion, im Schnitt sind diese 50.000 Menschen 1,75m groß. Nun ist ja jedem klar, dass nicht jeder Besucher 1,75 ist, es wird Ausreißer nach oben und nach unten geben – manche können deutlich über 2m sein und andere wiederum keine 1,5m.

 

Und hier kommt nun die Standardabweichung ins Spiel. 

Die erste Standardabweichung könnte nun z.B. bei 7cm liegen. Das bedeutet, dass 68% der Besucher 5cm vom Durchschnitt abweichen. Also wären anders gesagt 68% der Besucher zwischen 1,68 und 1,82.

Die zweite Standardabweichung liegt z.B bei 15 cm, dies würde bereits für 95% aller Stadionbesucher zutreffen- somit wären 95% aller Besucher zwischen 1,60 und 1,90

Die dritte Abweichung würde dann 99% abdecken usw…

 

Im Vergleich zu den Prozentbändern (starrer Wert) weisen die Bollinger-Bänder also zusätzlich die Schwankungen des Kurses um den Mittelwert aus. Bei großer Abweichung herrscht eine hohe Volatilität bei geringer entsprechend geringe Volatilität.

 

Welche Vorteile hat dies für Ihr Trading ?

Eine Richtungsänderung wird ebenso schnell angezeigt wie eine Änderung der Volatilität. Wenn das obere Band erreicht wird, gelten die Kurse als überkauft, wenn der Kurs ans untere Band anklopft gelten die Kurse als überverkauft, dies hat in Seitwärtsphasen große Bedeutung, da die Kurse in dieser Phase üblicherweise gerne zwischen den 2 Bändern hin und her pendeln.

Ein sehr einfacher Handelsansatz könnte also sein, beim erreichen des unteren Bandes eine Longposition einzugehen mit Ziel beim oberen Band (bitte so nicht nachhandeln, ein wenig mehr Informationen, sollten gesammelt werden)

Anderseits ist es auch möglich (man sollte unbedingt auch schauen was der RSI und MACD anzeigen) Ausbrüche aus dem Band zu handeln um frühzeitig auf den neuen Trend aufzuspringen – sehr oft wird das Bollinger Band zunächst immer enger und enger gefolgt von einem starken Impuls. Leider ist es nicht möglich aus den BB zu lesen in welche Richtung dieser Ausbruch stattfinden wird.

Umgekehrt kann man genauso sagen, weit auseinander liegende Bänder sind ein „sicheres“ Zeichen, dass sich die bisherige hohe Volatilität zumindest abschwächen wird, und auf das nachrücken des GD warten wird

 

Hierzu ist Erfahrung nötig – es gilt wie immer vorsichtig zu sein und nicht voreilig in den Markt zu springen, man sollte nie einem Indikator blind vertrauen!!!

 

Merke

  • In trendlosen Phasen sind die Bänder als Widerstände und Unterstützungen zu sehen, wobei Ausbrüche als Trendwechselsignale zu deuten sind.
  • In starken Trendphasen läuft der Kurse jeweils am Oberen bzw. unteren Band, dann dient der GD als Unterstützung bzw. Widerstandslinie
  • Die Breite der Bänder spiegelt die Volatilität wieder
  • Eine Verengung der Bänder in der Konsolidierung deuten auf eine Impulsartige Bewegung hin

Es empfiehlt sich die Bollinger-Bänder mit einem 20er GD, wie üblich laufen zu lassen und zusätzlich einen 50er und evtl. 200er zu ergänzen, damit wären die wichtigsten SMA im Chart und man behält dennoch den Überblick

 

 

 

 

 

 

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